Andere Länder, andere Sitten
Trotz
Erlebnisbädern und
Tempeln der Behaglichkeit, die
Deutschen fühlen sich in der heimischen
Badewanne immer noch am wohlsten.
In anderen
Kulturen ist und war das
Baden schon eher ein geselliges
Beisammensein. Statt alleine in der
Wanne zu sitzen werden
Freunde eingeladen, geschlemmt und der wöchentliche Tratsch aufgearbeitet. Doch die
Zeiten ändern sich. Mittlerweile kultivieren immer mehr
Deutsche ihr Badezimmer und
öffentliche Bäder zur Wellness-Oase.
Ob pure
Entspannung nach einem stressigen Tag,
Muskelkater oder
Erkältung, nie haben die
Deutschen häufiger gebadet als in unserer Zeit. Nur langsam wurde der Gang in die
Wanne gesellschaftsfähig. Das lag nicht etwa an der fehlenden
Reinlichkeit der Deutschen, sondern eher an dem
Problem, wie man das Wasser in die Badezimmer bringen konnte. Das änderte sich erst gegen Ende des
19. Jahrhunderts, als Haushalte mit
sanitären Anlagen ausgestattet wurden.
Trotzdem galt für die meisten immer noch das
Gebot mit dem warmen Nass sorgfältig umzugehen. Und so badete nicht nur
eine Person, sondern gleich die
ganze Familie nacheinander im selben Wasser.
1883 sorgte eine bahnbrechende
Erfindung für Aufsehen. Auf der Berliner
Hygiene-Ausstellung wurde die erste
Heißwasser-Dusche vorgestellt, die sich aber nur höher gestellte
Schichten leisten konnten.
In der
Türkei badete man zu dieser Zeit schon lange wie in
1001 Nacht. Bereits 1741 baute
Sultan Mehmet I. in Istanbul den ersten öffentlichen "Hamam". In dem prächtigen
Badehaus sollten die Gläubigen Körper und Seele reinigen, tageweise getrennt nach
Männern und
Frauen.
Im
Gegensatz zu westlichen Hallenbädern, in denen
Neonbeleuchtung, kahle
Kachelwände und ein eher unpersönliches
Ambiente vorherrschen, bietet das türkische Badehaus eine
Atmosphäre zum Wohlfühlen.
Licht,
Farben und
Architektur sind schon ein Erlebnis für sich. Um den Alltag zu vergessen und
Erhohlung pur zu genießen, gehören
Massagen und
Teerunden zum Baderitual.
Tratschen im warmen Nass - in
Japan gehört das zur Kultur.
Andere Länder, andere Sitten
Die
Finnen haben ihr bitterkaltes Klima zur
Tugend gemacht. Aus den
Schwitzhütten asiatischer Schamanen entwickelten sie eine eigenständige
Badekultur.
Zwischen zwei und drei Stunden dauert ein vollständiges
Saunabad, das den
Körper wieder fit macht und gleichzeitig ein hervorragendes
Kreislauftraining ist.
Bis heute ist man in
Finnland fest davon überzeugt, dass unter der
Saunabank der mächtige Erdgeist wohnt. Um ihn nicht zu verärgern, darf niemand daruntergucken. Damit das Schwitzen auch
Körper und
Seele in Einklang bringt, sind die Wände der
finnischen Sauna aus Tannenholz, das in der Hitze wohltuende
Essenzen ausscheidet.
Die größte Ehre erweisen die
Finnen einem Fremden, wenn er in der
Familiensauna mitschwitzen darf. Gewöhnungsbedürftig für
Ausländer ist allerdings das
Peitschen mit in Salzlösung eingelegten
Birkenreisern, das zum
Saunagang dazugehört.
In
Japan gehört das
Baden fest zum wöchentlichen Programm. Nicht nur die gestressten
Menschen von heute erfreuen sich am Gang ins öffentliche "sento". Von jeher waren
Badehäuser auch ein Treffpunkt zur
Entspannung und für gesellige
Begegnungen. Bis 1853 durften
Männer und
Frauen das Vergnügen unbedarft teilen. Bis der amerikanische Kapitän
Matthew Perry das Land betrat und eine
Verordnung erließ, nach der striktes gemeinsames
Badeverbot galt.
1870 entstand ein entsprechenden
Gesetz zum sittsamen, getrenntem Baden. Heute wie damals wird sich mindestens einmal
pro Woche in superheißem Wasser relaxt, bis sich die
Japaner so wohl wie ein "yudedako", ein gekochter
Tintenfisch, fühlen. Das erste Bad gilt der
Körperreinigung, erst das zweite Bad führt zur
Entspannung.
Danach gesellen sich "Die Gefährten der Nacktheit" zu einem gemeinsamen
Essen, das oft innerhalb der
Baderäume aufgetischt wird. Dabei wird geratscht und getratscht was das Zeug hält. Besonders beliebt sind
Bäder, die ihr Wasser aus vulkanischen
Thermalquellen bekommen und von der
Gemeinschaftswanne einen Blick auf eine
wunderschöne Aussicht oder einen
japanischen Garten bieten.
Nicht ohne Grund lautet ein japanisches Sprichwort:
"Badefreunde sind die besten Freunde".
Yacuzzis - blubberndes
Badevergnügen aus dem Land von Bubble Gum und Coca Cola.
Andere Länder, andere Sitten
Den Römern lag
Reinlichkeit sehr am Herzen. Sie fanden, dass alle außer ihnen stanken. Besonders die besiegten
Völker muffelten für die
Römer zum Himmel. Überall dort, wo sie
Kolonien errichteten, wurden auch gleich
Badehäuser gebaut. Sicher ist sicher!
Vielleicht hatte dies auch der Italiener
Roy Jacuzzi im Blut. Er sorgte dafür, dass aus
Amerika die blubberndsten
Badewannen der Welt kommen.
Die
Amerikaner, völlig frei von einer eigenen
Badekultur, waren schwer begeistert als der immigrierte
Italiener 1966 ein neues
Planschvergnügen vorstellte.
Jacuzzis Erfindung übergrosser Wannen, in denen gleich die
ganze Familie Platz findet, revolutionierte aber nicht nur das
Badeverhalten in Übersee. Heute findet man auf der ganzen Welt
Whirlpools, die durch starke Wasserstrahlen den ganzen
Körper massieren.
Zum allgemeinen
Wohlbefinden soll aber auch eine angenehme
Umgebung beitragen. Deshalb sind
Jacuzzi-Badezimmer oft wohnlich eingerichtet. Grosse
Fenster, sowie eine sanfte
Beleuchtung laden dazu ein, lange in den sprudelnden
Wannen zu verweilen.
Einen Schritt weiter geht man in
Kalifornien. Hier werden die
Whirlpools ins Freie verlagert. Schönes
Wetter, warme
Nächte und wenig
Regen sorgen für ungetrübten
Badespaß unter freiem Himmel. Allerdings sollte man in
Jacuzzis auf schäumende Zusätze verzichten. Sonst wird aus dem "bubble bath" eine
Schaumschlacht.