Beauty-Shopping im Internet
Des einen Freud, des anderen Leid!
Immer mehr Menschen entdecken die
Vor- aber auch die
Nachteile des E-Commerce. Ganz besonders heikel wird
Online-Shopping bei Beauty-Produkten.
Denn: eigentlich dürften die
Net-Shops keinerlei Depotware anbieten! Das ist nämlich nach einem aktuellen
Urteil des Court d´Apell von Versailles dann verboten, wenn die
Anbieter die qualitativen Kriterien im
Internet nicht beachten und respektieren.
Auf den Punkt gebracht: jeder, der keinen
Depotvertrag mit den großen Marken abgeschlossen hat, darf deren
Kosmetik im Netz auch nicht verkaufen! Und momentan tun sich die
Kosmetikunternehmen mit dem Verkauf ihrer hochpreisigen
Depotkosmetik im World Wide Web sehr schwer.
Doch wie kommt es, dass immer mehr Anbieter mit Depotware auf den elektronischen Markt der Eitelkeiten drängen?
Der sogenannte "Graumarkt" macht es möglich. Hier wird
Highend-Kosmetik eingekauft, allerdings ohne Garantie, dass es sich um
Originalprodukte handelt und ohne Genehmigung der einzelnen
Marken-Lieferanten.
Der Dumme ist letztendlich der
Verbraucher. Ihm wird vorgegaukelt, dass er im
Netz wie in seiner
Parfümerie um die Ecke einkaufen kann - und das oftmals noch preiswerter.
Viele
Kunden von Net-Stores mußten jedoch schon oft die bittere
Erfahrung machen, dass die bestellten
Produkte nie bei ihm eintreffen.
Kein Wunder: kann man nicht direkt beim
offiziellen Vertrieb bestellen, tun sich große Lücken in der
Versorgung des Shops auf. Ganz sicher gehen kann man zur Zeit eigentlich nur in
Online-Shops, die
keine Depotware anbieten. Das sind Produkte, z.B. von
Nivea,
L´Oréal usw., die man auch in Drogerien bekommt.
Eine
Lösung ist vielleicht in Sicht, denn einige große Marken wollen sich nach Klärung der rechtlichen Situation dem
neuen Markt stellen. Als erster Marken-Lieferant hat
Lancaster den Schritt in Richtung
Internet gewagt. Unter dem Dach von
Lancaster sind z.B. Marken wie Davidoff, Chopard, Jil Sander, Joop! und Isabella Rossilini. Ein
Zusatzvertrag soll bereits bestehenden
Parfümerien die Möglichkeit geben, ihr Sortiment auch über
E-Commerce zu vertreiben.
Als einer der
Ersten profitierte douglasbeauty.com davon, hier kann man bereits
Produkte von Lancaster bestellen. Dabei sollen beim
Online-Shopping die gleichen qualitativen Kriterien gelten, wie in der
Parfümerie oder am
Counter.
Soll heißen: interaktive
Beratung darf nur durch ausreichend qualifiziertes Personal erfolgen und die Seiten müssen nach den Anforderungen des
Marken-Lieferanten erstellt werden. Und genau das können nicht alle Anbieter im Netz gewährleisten.
Aus der Not eine Tugend machen Firmen, die mit einem eigenen
Online-Shop unauthorisierten Händlern den Kampf angesagt haben. In den
USA gibt es zum Beispiel bereits einen
Clinique-Shop (www.clinique.com) im Internet.
Erst vor einigen Wochen sorgten die
Estée Lauder Companies für Aufsehen in der Branche. Sie kauften den
US-Online-Shop www.gloss.com, um
Lauder-Produkte dort zu präsentieren und zu verkaufen.
Mit dem Verkauf einiger
Shop-Anteile an Clarins und Chanel eröffnet sich nun die Möglichkeit, mit einem
Multi-Brand Shop online zu gehen. Ab
Frühjahr 2001 sollen dann bei gloss.com auch Marken wie Thierry Mugler, Bobbi Brown und MAC über das weltweite Netz verkauft werden. Für europäische
Beauty-Shopper kein Grund zur Freude, denn es wird ausschließlich in die
USA geliefert!
Dass man demnächst sämtliche
Depotkosmetik im Internet bestellen kann, bleibt allerdings zweifelhaft, denn so manche
Firmen möchten gar nicht über das anonyme Netz verkauft werden. Sie setzen weiterhin auf
kompetentes Personal, das Auge in Auge dem
Kunden Rede und Antwort stehen und neben dem reinen
Verkauf auch
Service bieten kann.