Testergebnisse wirklich wissenschaftlich haltbar?
Öko-Test ist für viele
Verbraucher das Zünglein an der Waage, wenn es um den Kauf von
Kosmetik mit "unbedenklichen"
Inhaltsstoffen geht.
Nach Erscheinen der neuen
Testergebnisse berichten fast alle Medien - auch
Beauty & More - regelmäßig über "Gewinner" und "Verlierer" der Tests. Nicht alle
Testergebnisse sind nachvollziehbar, da die
Auf- oder
Abwertung eines Produktes oftmals auch an der
Verpackung festgemacht wird.
So werden
Verpackungen bemängelt, die PVC/PVDC oder chlorierte Kunststoffe enthalten, die bei der
Müllverbrennung gesundheitsschädliche Dioxine entwickeln und die
Umwelt unnötig belasten. PVC wird, wenn überhaupt, nur in Kleinstmengen für
Kosmetikverpackungen verwendet und fällt in diesem Sinne als
Umweltbelastung wohl nicht ins Gewicht.
Nun hat sich der Verband der
Vertriebsfirmen kosmetischer Erzeugnisse (VKE) e.V. zu Wort gemeldet und die im Dezemberheft der
Zeitschrift ÖKO-Test erhobenen Vorwürfe gegen eine Reihe von
Kosmetikprodukten scharf zurückgewiesen.
Eine neue Runde "Kosmetikindustrie vs. ÖKO-Test" ist eingeläutet!
So weißt der
VKE in seiner Stellungnahme darauf hin,
"dass der objektive Anschein, der den "wissenschaftlichen Methoden" von ÖKO-Test unterlegt wird, lediglich der Stimmungsmache dient und keinerlei sachlichen Kriterien genügt."
Doch was ist wirklich dran an dem starken Wind, der ÖKO-Test entgegenweht?
Fakt ist, dass die Deutsche Kosmetikverordnung eine der strengsten weltweit ist und die
Zulassung eines Produktes für den deutschen Markt eine ganze Reihe wissenschaftlich belegter
Tests in Bezug auf Verträglichkeit von
Inhaltsstoffen,
Farbstoffen etc. benötigt. Jedes
Produkt muss strengen internationalen und europäischen gesetzlichen Bestimmungen entsprechen, um kein gesundheitliches Risiko für den
Verbraucher dazustellen.
Andererseits ist es aber für den
Verbraucher auch nicht verständlich, warum die
Kosmetikunternehmen immer noch Inhaltsstoffe verwenden, die regelmäßig von
Verbraucherschützern in die Kategorie "kritische Inhaltsstoffe" gesteckt werden. Die stammen, laut VKE, aus einer
Negativliste, die ÖKO-Test für sich selbst rein subjektiv definiert hat.
"Damit werden in Wahrheit gar keine Tests durchgeführt, sondern es werden lediglich die Inhaltsstoffe aufgegriffen, die immer wieder auf der schon seit Jahren verbreiteten Negativliste von ÖKO-Test erscheinen. Mit dieser Liste, die aber ohne neue wissenschaftliche Erkenntnisse erarbeitet wurde, agiert die Zeitschrift lediglich mit Vermutungen, die ihre subjektive Meinung wiedergeben. Entscheidende Aussagen sind häufig im Konjunktiv formuliert, erwecken dennoch den Anschein wissenschaftlich nachweisbarer Kriterien, die nicht vorliegen", so der
VKE.
Das sieht ÖKO-Test anders: "Im Sinne des VKE sind Laboruntersuchungen der Inhaltsstoffe keine Tests", sagt ÖKO-Test Chefredakteur
Jürgen Stellpflug. Die könne man aber schon aus ethischen und moralischen Gründen wohl kaum am
Menschen durchführen. Deshalb sei dieses
Argument wohl kaum haltbar, zumal viele "bedenkliche Inhaltsstoffe" schon über Jahre bekannt sind. Dazu gehören auch Polyzyklische Moschus-Verbindungen und Formaldehyd.
"Alles, was sich im Körper anreichert, hat definitiv nichts in Kosmetik zu suchen. Wie eben Polyzyklische Moschus-Verbindungen, die sich im Körper anreichern", so
Jürgen Stellpflug.
"Was sich im Körper anreichert, ist auch schädlich. Nur bei Arzneimitteln kann es eine Risko-Nutzen Abwegung geben. Dort muss man auch Nebenwirkungen in Erwägung ziehen, wenn es um einen Heilerfolg geht. Das trifft aber definitiv nicht auf Kosmetik zu, weil diese frei zugänglich ist und keinerlei "Nebenwirkungen" in der Packungsbeilage beschrieben werden müssen. Risiken, die bekannt sind, sollten unserer Meinung nach vermieden werden."
Den
Vorwurf, dass gerade zur umsatzstärksten Zeit immer wieder
Negativpropaganda von ÖKO-Test betrieben wird, wies
Jürgen Stellpflug mit einem Lächeln zurück.
"In beinahe jedem Heft wird auch Kosmetik getestet, im Juni 2001 brachten wir sogar ein Sonderheft zum Thema Kosmetik heraus - und der Juni ist gewiss keine umsatzstarke Zeit."
Mittlerweile hat der
VKE das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BGVV) eingeschaltet. Diese
neutrale Bundesbehörde beurteilte den im Dezember veröffentlichten Test der Zeitschrift ebenfalls als "nur eingeschränkt aussagekräftig".
Die Begründung: Formaldehyd wird in Kosmetik zwar als Konservierungsstoff eingesetzt, doch alle genehmigten
Konzentrationen, die bei der Zulassung des
Produktes genau geprüft werden, sind so gering, dass für den
Verbraucher kein Krebsrisiko besteht.
Der bekannten allergenen Wirkung von Formaldehyd wird allein durch die Kennzeichnung Rechnung getragen.
Und wie geht es weiter?
"Die jährlich in der Regel vor Weihnachten auftretenden Behauptungen von ÖKO-Test werden durch endlose Wiederholungen nicht richtiger", sagt
Horst Prießnitz, Geschäftsführer des VKE.
"Unsere Firmen werden sich aber aufgrund der Schwere der unberechtigten Vorwürfe Gedanken darüber machen, ob rechtliche Schritte einzuleiten sind." "Fein", so
Jürgen Stellpflug,
"dann klären wir die Sache vor Gericht. Dort wird sich ja dann definitiv herausstellen, wer letztendlich Recht hat!"
Von Formaldehyd bis UV-Filter: Was behauptet
Öko-Test und was sagt der
VKE aus wissenschaftlicher Sicht?
Testergebnisse wirklich wissenschaftlich haltbar?
Die Verwirrung scheint perfekt - wem soll man denn nun glauben?
Beauty & More zeigt beide Seiten: Die von
ÖKO-Test als "kritisch" gekennzeichneten Inhaltsstoffe und die wissenschaftlichen Argumente des
VKE.
Anilin abspaltender Farbstoff
ÖKO-Test:
Der Farbbaustein Anilin gilt als Krebs erregend.
Wissenschaftliche Argumente VKE:
Anilin ist manchmal ein Baustein von Kosmetik-Farbstoffen. Alle in Kosmetika verwendeten Farbstoffe hat der Gesetzgeber in der Kosmetikverordnung geregelt, nachdem sie ein besonders strenges Prüfverfahren durchlaufen haben. Es sind nur Stoffe zugelassen, die keine Gefahr für die Gesundheit der Verbraucher darstellen. Ein Farbstoff enthält nach der Reinigung kein Anilin mehr und verhält sich danach chemisch völlig anders.
Diethylphthalat/DEP
ÖKO-Test:
Dieses Mittel macht den Alkohol ungenießbar und erspart dem Hersteller die Branntweinsteuer. Es kann allerdings eine hormonähnliche Wirkung haben.
Wissenschaftliche Argumente VKE:
Der in Eaux de Toilette, Eaux de Cologne und After Shaves eingesetzte Alkohol wird vergällt, damit er nicht zu Trinkzwecken missbraucht werden kann. Der Gesetzgeber hat verschiedene Vergällungsmittel, u.a. das Diethylphthalat/DEP, für diese Zwecke zugelassen. Laut Untersuchungen des National Toxicology Program in den USA gehen keinerlei Gefahren für Mensch oder Tier davon aus. Dies gilt erst recht für die in kosmetischen Mitteln eingesetzten geringen Konzentrationen.
Formaldehyde/Formaldehydabspalter
Öko-Test:
Formaldehyde oder Formaldehydabspalter werden als Konservierungsstoffe in der Kosmetik verwendet. Diese Stoffe stehen in Verdacht, Krebs zu erregen. Außerdem lassen sie die Haut altern.
Wissenschaftliche Argumente VKE:
Formaldehydabspalter werden zur Konservierung kosmetischer Produkte verwendet. Der Gesetzgeber hat diese Substanzgruppen in der Kosmetikverordnung in einer Positiv-Liste bewertet und geregelt. Danach kommen nur Substanzen zum Einsatz, die für den Verbraucher in den zugelassenen Konzentrationen unbedenklich sind. Formaldehydabspalter geben geringe Mengen Formaldehyd ab, die regelmäßig unter der Deklarationsgrenze von 0,05 % liegen.
So geringe Konzentrationen lösen selbst bei einem Allergiker keine Reaktionen aus und können auch nicht die Schleimhäute reizen. Die praktischen Daten bei Menschen sprechen eindeutig gegen die Krebsgefahr, wie die Krankheits-Statistik z.B. bei Pathologen, die den Stoff ständig verwenden, beweist.
Beauty & More:
Dem ist hinzuzufügen, dass Berufgruppen, die mit Formaldehyd arbeiten, zwar größeren Konzentrationen des Stoffes ausgesetzt sind, sich aber mit Handschuhen und Mundschutz dagegen schützen. Formaldehyd ist z.B. aus Nagelhärtern kaum wegzudenken, da diese Substanz eine der Besten ist, um Nägel härter und stabiler zu machen.
Natürlich gibt es Alternativen: Kosmetik, die auf Formaldehyd als Konservierungsstoff verzichtet. Die kann man allerdings nicht so leicht erkennen, da nur eine Konzentration von über 0,05 % deklariert werden muss.
Halogenorganische Verbindungen
Öko-Test:
Viele gelten als Allergieauslöser, einige können Krebs verursachen oder sich in der Umwelt anreichern.
Wissenschaftliche Argumente VKE:
Auch diese Stoffe dienen zur Konservierung kosmetischer Mittel und sind vom Gesetzgeber durch die Kosmetikverordnung zugelassen, so dass für den Verbraucher die Verträglichkeit der Produkte gesichert ist. Diese Substanzen durchlaufen für die Verwendung in Europa aufwendige Prüfungen und werden nur in geringen Konzentrationen eingesetzt.
Weder toxikologische Untersuchungen noch langjähriger Einsatz weisen auf gesundheitliche Schädigungen der Verbraucher oder eine höhere Rate an Unverträglichkeitsreaktionen hin. Voraussetzung für die Aufnahme in die Liste der gesetzlich zugelassenen Konservierungsmittel ist, dass die erlaubten Konzentrationen für den Verbraucher kein Risiko bieten und damit natürlich auch keinen Krebs auslösen.
Weitere Inhaltsstoffe ...
Testergebnisse wirklich wissenschaftlich haltbar?
PEG/PEG-Dervirate
ÖKO-Test:
PEGs können die Haut durchlässiger machen und so Schadstoffe in den Körper einschleusen. Sie trocknen die Haut aus.
Wissenschaftliche Argumente:
PEGs werden seit langem in der Herstellung von Arzneimitteln und Kosmetika als Emulgatoren bzw. als Grund- und Hilfsstoffe eingesetzt. Es gibt keine medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnisse, die auf Gefahren für den Verbraucher hinweisen. Auch hier hat die Gesellschaft für Dermapharmazie das Potential einer Penetrationsförderung durch PEG-Verbindungen in Kosmetika beurteilt und kommt zu dem Schluss, dass die generelle Annahme einer penetrationsfördernden (Förderung der Hautdurchlässigkeit) Wirkung nicht sachgerecht ist.
Polyzyklische Moschus-Verbindungen
ÖKO-Test:
Diese Verbindungen gelten als gesundheitsschädlich, außerdem können sie sich im menschlichen Fettgewebe anreichern.
Wissenschaftliche Argumente VKE:
Die in der Parfümerie langjährig verwendeten Substanzen zeigen in allen aktuellen Untersuchungen in den geringen eingesetzten Konzentrationen keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Dem internationalen wissenschaftlichen Beratungsgremium "SCCNFP" (Scientific Committee on Cosmetic Products and Non-Food Products) liegen die Verträglichkeitsdaten zur Bewertung vor. Moschusduft wird heute synthetisch perfekt nachgebildet. Das verhindert die Ausrottung des artengeschützten Moschustieres.
Über 10% Paraffine/Erdölprodukte/Silikone in der Fettphase
ÖKO-Test:
Paraffinöle können die Haut eventuell zu sehr abdecken und dadurch die Zellbildung und den Stoffwechsel stören. Darüber hinaus werden sie aus nicht nachwachsenden Rohstoffen gewonnen und sind billiger Ersatz für hochwertige pflanzliche Stoffe.
Wissenschaftliche Argumente VKE:
Paraffinöle werden seit über 100 Jahren zur Herstellung von Arzneimitteln (Deutsches Arzneimittelbuch) und Kosmetika verwendet. Sie haben sich aufgrund der hervorragenden Pflegeleistung und Hautverträglichkeit bewährt. Der besondere Vorteil dieser Fette ist die hohe Oxidations-Stabilität. Das heißt, sie werden im Gegensatz zu pflanzlichen oder tierischen Fetten nicht ranzig.
Allein die Kenntnis des Paraffinölanteils erlaubt keine qualifizierte Beurteilung der abdeckenden Wirkung. Diese hängt von Faktoren wie der Produktgrundlage, den eingesetzten Lipiden und weiteren Zusatzstoffen ab. Entscheidend sind die aufgetragene Menge, die Verwendungsdauer und die Verteilung des Produktes auf der Haut. Die Gesellschaft für Dermopharmazie hat außerdem das Potenzial der Okklusion (Wasserverdunstung nach außen) durch Paraffinöle in Kosmetika geprüft und keine Anhaltspunkte für ein Risiko unerwünschter Wirkungen in Kosmetika gefunden.
Beauty & More:
Der Rohstoffpreis sagt nichts über die physiologische Wirksamkeit und die kosmetischen Möglichkeiten des verwendeten Materials aus. Eine der ältesten und häufigst verwendeten Produkte mit Erdöl steht wohl bei fast jedem im Badezimmer: Vaseline. Okkulsive Rohstoffe haben besondere
Vorteile bei Nachtpflegeprodukten und bei Kosmetik für raues Klima (z.B. Cold Creams), da durch sie der Wasserverlust der Haut unter verringerter Luftfeuchtigkeit vermindert werden kann. Okklusive Rohstoffe können aber durch die Zurückhaltung von Wasser in der Epidermis die Calciumkonzentration verdünnen. Sie steuert unter anderem die Synthese von Ceramiden. Okklusive Rohstoffe können also bei langem Gebrauch von nicht perfekt formulierten Kosmetikprodukten zu einer Verringerung der Lipidproduktion führen. Das stellt aber für jugendliche oder erwachsene Haut meist kein Problem dar. Nicht außer Acht lassen sollte man auch, dass natürliche Öle ein höheres Allergiepotenzial aufweisen können.
UV-Filter
ÖKO-Test:
UV-Filter wirken nach neuesten Untersuchungen im Tierversuch hormonell, sie werden über die Haut aufgenommen und sind in der Muttermilch nachweisbar.
Wissenschaftliche Argumente VKE:
Die genannten Daten beruhen auf Tierversuchen an Ratten und hatten dort einen so geringen Effekt, dass von ihnen kein nennenswertes Risiko für den Menschen ausgehen kann. Zum Vergleich: Die östrogene Wirkung von Sojaprotein in Lebensmitteln liegt 3- bis 6-tausendmal höher. Sie kann damit nicht annähernd mit der Wirkung natürlicher Hormone verglichen werden. Zu dieser Bewertung kommen sowohl die SCCNFP als auch das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV).
Beauty & More:
Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen ist ein UV-Schutz in Pflegeprodukten durchaus sinnvoll, da durch die Umweltbelastungen auch eine höhere UV-Konzentration gemessen werden kann. Lichtbedingte Hautalterung kann man mit UV-Filtern weitgehendst minimieren. In Nachtpflegeprodukten ist ein UV-Filter allerdings unsinnig und daher in den Produkten nicht enthalten. Er würde die Regenerationsphase der Haut nur unnötig belasten. Deshalb sollte man Produkte mit UV-Filtern wirklich nur tagsüber auftragen. Auch bei Lippenstiften wird neuerdings gerne ein UV-Filter eingesetzt. Lippenstifte erhalten aber alleine schon durch die Farbpigmente einen gewissen UV-Schutz.