Mythos Chanel No.5
Sie war die
Mode-Queen der zwanziger Jahre,
Gabrielle Chanel - kurz Coco genannt. Ihr verdanken wir das "kleine Schwarze", T-Shirts und komfortable Kostüme mit großen Metallknöpfen.
Coco Chanel machte
Modeschmuck gesellschaftsfähig und gab den
Frauen das Selbstbewusstsein Hosen zu tragen. 1916 eröffnete Coco Chanel ihren ersten
Haute Couture Salon in Biarritz, vier Jahre später zog sie in die
Modehauptstadt Paris.
Dort bewies die Geschäftsfrau, dass sie nicht nur von Mode etwas versteht sondern auch den richtigen Riecher für Düfte hat:
sie entdeckte den bis heute meistverkauften Duft aller Zeiten -
Chanel No.5.
Vielleicht war es eine göttliche Fügung, die Coco Chanel 1920 mit einem der angesehensten Parfümeure des frühen 20. Jahrhunderts zusammenbrachte: Ernest Beaux arbeitete in Grasse für die Firma
Parfums Rallet, einem Unternehmen, das exklusive Duftkompositionen kreierte.
Angeblich hatte Beaux den
Extrakt, aus dem später Chanel No.5 entstand, bereits dem
Dufthaus Coty angeboten. Die lehnten dankend ab, er war zu teuer. Nicht für
Coco Chanel - sie wollte keinen Duft, sondern eine
Komposition, die etwas einzigartiges hat.
Beaux mischte mehr Jasmin dazu, doch das
Ergebnis war enttäuschend. Er widmete sich erneut der
Mixtur, gab das chemische Lösungsmittel Aldehyd zu
Noten aus Ylang-Ylang, Neroli, Mairose und Jasmin und komponierte eine
Basisnote aus Edelhölzern und Vanille. Anschließend unterbreitete er der resoluten
Modeschöpferin mehrere Duftvorschläge.
Beaux nummerierte sie in der Reihenfolge von 1 bis 5 und von 20 bis 24.
Coco Chanel schnupperte, tippte auf die Nummer 5 und war begeistert.
Chanel No.5 war geboren! Eines der ersten
Parfums, das aus einem reichen
Duftbouquet verschiedenster
Nuancen kreiert wurde.
Am 5.5.1921 lancierte
Coco Chanel den Duft in ihrer Pariser
Boutique. "Setzen Sie auf die Nummer 5" war nicht nur der
Werbeslogan des modernen, umwerfenden Duftes, sondern auch das
Motto der damals 38 jährigen Coco Chanel. Die
Nummer 5 war von jeher ihre Glückszahl. Kein Wunder, dass
Chanel No.5 sofort zu einem riesigen
Erfolg wurde.
Revolutionär war nicht nur der
moderne Duft, sondern auch der
eckige Flakon, der dem damaligen
Zeitgeist entsprach. Bis heute wurde er nur unmerklich überarbeitet. Das erste Mal 1924, dann 1950, 1970 und 1986. Im Grunde entspricht der
Flakon noch immer dem Original, wurde lediglich ein wenig
moderner, ohne aber die
klassischen Werte anzutasten.
1938 zog sich die inzwischen reichste
Modeschöpferin Frankreichs aus dem Geschäft zurück und verkaufte
Chanel Parfums an die Gebrüder Wertheimer.
Die Geschichte von
Chanel No.5 - spannend wie ein
Krimi ...
Mythos Chanel No.5
Während des Zweiten Weltkrieges flohen die
Wertheimers vor den Nazis in die USA, wo sie bereits eine
Parfumfabrik besaßen. Das Geheimnis des
großen Duftes lag aber gut bewacht in einem Safe in Paris. Die
Deutschen hatten Frankreich besetzt - es gab kein herankommen an die
geheime Formel. Glaubt man einem Bericht des
Forbes Magazins, beauftragten die Gebrüder
Wertheimer einen amerikanischen
Geheimagenten den Safe in Paris zu knacken und die
Formel nach New York zu bringen.
Ob Legende oder Wahrheit: Chanel No.5 war das einzige
Luxusparfum, das während des
Krieges jenseits des Atlantiks produziert wurde.
Viele prominente Damen schwörten und schwören auf
Chanel No.5. So war
Marilyn Monroe bekannt für ihre große Leidenschaft zu diesem Duft.
1954 fragten sie
GI´s bei einer Truppenbetreuung, was sie denn nachts trage.
Die Antwort des Sexsymbols: "Nur ein paar Tropfen Chanel No.5".
Vier Jahre später zog
No.5 als Hommage an die fortwährende Veränderung der
Geschichte, in der sich kunsthandwerkliches Know-How mit Hightech-Kompetenz verbindet, sogar in das
Museum of Modern Art in New York, wo es noch heute zu bewundern ist.
1997 sorgte der berühmte Duft erneut für
Aufregung. Die Naturschutzorganisation "Robin Wood" forderte
Chanel auf, die No.5 Formel zu ändern.
Der Grund: eine der, bis zu dieser Zeit geheimen,
Essenzen des Duftes wird aus dem vom Aussterben bedrohten
Amazonas-Baum gewonnen.
Chanel No.5 blieb, wie es immer war. Heute sind einzelne
Rohstoffe so kostbar geworden, dass
Chanel sie für die No.5 exklusiv anbaut.
Nur ein Beispiel: für ein Kilo Absolu benötigt man 750 Kilo
Jasmin!
Obwohl sich der
Duft in über 80 Jahren nicht verändert hat, ist er auch heute noch der
Inbegriff für ein modernes, luxuriöses Parfum. Das
Chanel No.5 nie aus der Mode gekommen ist, liegt vielleicht auch an der schlichten
Aufmachung und an einem
Werbekonzept, dass sich stets dem
Wandel der Zeit anzupassen wusste.
1997 präsentierte sich die weiße Verpackung mit schwarzem Schriftzug in einer bunten
Pop-Art Verkleidung von Andy Warhol - allerdings nur für zwei Monate.
Mit Beginn des neuen Jahrtausends gibt es wieder Neuigkeiten aus dem Hause Chanel: Leichtigkeit, Transparenz und Mobilität sind die Schlagwörter für einen neuen
Taschen-Vaporisateur, mit dem man sich überall nach
Lust und
Laune parfümieren kann.
In einem schicken
Plexiglas-Coffret werden ein
Eau de Toilette No.5 und zwei passende
Nachfüllungen (105 DM) angeboten.
Der
Flakon wurde harmonisch abgerundet und zwölf verschiedene Motive der
Werbekampagne zeigen, wie innovativ auch ein
Duft-Klassiker sein kann.
Im neuen Jahrtausend entdeckt eine
neue Frauengeneration Chanel No.5 - überall und allzeit bereit, verschwindet der
Zerstäuber wie ein Handy in jeder Handtasche.